Die meisten Anleger prüfen ein neues P2P-Projekt in etwa zehn Sekunden: Rendite und Laufzeit anschauen, los. Genau diese zehn Sekunden trennen sie von den Anlegern, die einen Ausfall am Ende verkraften. Dabei dauert eine seriöse Prüfung gar nicht so lange. Wenn man weiß, worauf man bei einem Projekt achten muss, führen die folgenden sechs Schritte zur Sicherheit, bevor der erste Euro fließt.
Schritt 1: Die Plattform prüfen, nicht das Projekt
Bevor man zu den einzelnen Projekten geht, sollte man sich vergewissern, bei welcher Plattform man investiert. Eine gute Plattform mit einem mittelmäßigen Projekt ist wesentlich sicherer als eine schlechte Plattform mit einem unglaublichen, aber riskanten Projekt.
Worauf man achten sollte: Regulierung, Transparenz und die Plattform-Historie sollten einwandfrei sein. Erst wenn die Plattform hier eine solide Antwort gibt, lohnt sich der genauere Blick auf das Projekt.
Schritt 2: Die Besicherung verstehen
Jetzt geht es um das Projekt selbst. Was passiert, wenn der Kreditnehmer nicht mehr zahlt? Die Besicherung ist bei P2P-Anlagen von größter Bedeutung. Es gibt verschiedene Möglichkeiten:
| Sicherungsart | Was sie wert ist |
|---|---|
| Rückkaufgarantie | Wird vom Anbahner abgegeben; so gut wie dessen Solvenz |
| Sachwert / Pfand | Wert des Sachguts, das zum Projekt gehört; im Bedarfsfall verwertbar |
| Provision Fund | Wird bei Zahlungsverzug eingesetzt; dafür sorgt die Plattform |
| Unbesichert | Keine Möglichkeit, das eingesetzte Geld zu sichern |
Die besten Plattformen verfügen über eine Sachwertbesicherung. Maclear etwa hinterlegt für jeden Kredit einen Sachwert und bildet zusätzlich einen Provision Fund aus zwei Prozent der Projektgebühr, der bei verzögerter Zinszahlung abgerufen werden kann.
Schritt 3: Die Kennzahlen des Projekts lesen
Jetzt schauen wir uns das einzelne Projekt an, das die meisten Anleger zuerst betrachten. Die wichtigsten Kennzahlen sind:
- Verhältnis von Kredit zu Sicherheitswert (Beleihungsquote).
- Laufzeit.
- Tilgung – bei einigen Projekten erfolgt sie nur am Ende (endfällig).
- Rendite im Verhältnis zum Risiko – je höher die Rendite, desto höher das Risiko, das der Anleger eingeht.
Schritt 4: Den Kreditnehmer einordnen
Einzelne Unternehmen führen bei der Einzelkreditvergabe oft zu Problemen, weil sie nicht mehr zahlen können. Bei Unternehmensprojekten geht es darum, in welcher Branche das Unternehmen tätig ist, wie alt es ist und wofür es gerade Geld benötigt.
Die besten Plattformen führen vorab eine Bonitätsprüfung der Unternehmen durch, sodass sie nur Projekte mit guter Bonität anbieten. Weitere Angaben findet man im veröffentlichten Anlegerinformationsblatt.
Schritt 5: Das Kleingedruckte und die Steuer mitdenken
Vor dem Investieren sollte man zwei Dinge wissen:
- Welche Gebühren auf den Anleger zukommen.
- Wann und wie Steuern anfallen. Die Zinsen aus P2P-Anlagen werden in Deutschland selbst über die Anlage KAP abgerechnet; bei ausländischen Plattformen wird die Steuer nicht automatisch einbehalten. Die Abgeltungssteuer liegt bei rund 26,4 Prozent oberhalb des Sparerpauschbetrags.
Schritt 6: Die Position ins Portfolio einordnen
Zum Schluss lohnt sich der Blick auf das eigene Portfolio. Das beste Unternehmen kann das gefährlichste sein, wenn man zu viel auf einmal einsetzt.
- Nicht mehr als rund fünf Prozent des P2P-Kapitals in ein einzelnes Unternehmen investieren.
- Das gesamte P2P-Portfolio sollte fünf bis fünfzehn Prozent des investierbaren Vermögens nicht überschreiten.
Die sechs Schritte im Überblick
Fasst man die sechs Schritte zusammen, braucht man pro Projekt nur einige Minuten zum Durchdenken. Die Informationen sind nicht kompliziert, aber in jedem Fall notwendig.
Anleger, die diese Schritte kennen und befolgen, erzielen auch in einem ungünstigen Markt ein passendes Ergebnis. Die wenigsten wissen, dass ein einzelnes Projekt den größten Einfluss haben kann. Diese Schritte sind die billigste Versicherung, die der P2P-Sektor zu bieten hat.
Achtung: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlage- oder Steuerberatung dar. P2P-Anlagen weisen verschiedene Risiken auf; im schlimmsten Fall droht der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Es besteht keine gesetzliche Einlagensicherung. Vor jeder Anlage sollten die Anlagebedingungen genau geprüft werden.